Baubericht Auditorium Modell

Hier zeige ich den Bau eines Instrumentes von Anfang bis zur Fertigstellung.

Die Bilder entstanden beim parallelen Bau zweier, sehr ähnlicher Instrumente. Es kann also sein, dass sie Fotos sehen, die nicht 100% zum fertigen Instrument passen.


 

Der Bau einer Gitarre beginnt mit der Auswahl der Hölzer. Dabei gehe ich, soweit möglich, auf die Wünsche meiner Kunden ein. Wenn noch keine Bauform für die gewünschte Form vorhanden ist, wird diese angefertigt. Besonderen Wert lege ich auf lange Lagerung der Materialien. Z.B. verarbeite ich kein Deckenholz, welches nicht mindestens sieben Jahre gereift ist. Die meisten meiner Hölzer sind weitaus älter.

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Aus einem gespaltenen Fichtenblock säge ich zunächst Brettchen mit stehenden, engen Ringen. Die daraus entstandenen Leisten werden geschliffen und vorprofiliert. Sie müssen leicht und sehr steif sein. Ein gut ausgesuchter Leistensatz ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum guten Instrument. Industriell vorgefertigte Leistensätze kommen für mich nicht in Frage.

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Boden, Zargen und Decke werden mit der Zylinderschleifmaschine geschliffen. Das geschieht in sehr kleinen Schritten, um das Holz nicht zu strapazieren. Dann werden die Boden-und Deckenhälften in der Stoßlade mit einer 100% geraden Kante versehen und im sog. Himmelbett spaltfrei zusammengeleimt. Der Umriss der Gitarre wird grob ausgesägt und der Boden erhält seine Mittelnahtverstärkung.

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Die Decke wird nun auf ihre entgültige Dicke gehobelt und geschliffen. Dabei wird der Klopfton der Decke ständig kontrolliert. Die richtige Stärke der Decke zu erhören und erfühlen ist sehr wichtig und erfordert einige Erfahrung. Dann wird die Rosette eingelegt und die Decke ist fertig zum Beleisten.

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Die Position der Leisten wird auf die Innenflächen von Boden und Decke gezeichnet. Leisten werden im "Himmelbett" aufgeleimt. Dabei bekommen Boden und Decke im Wölbungsstock durch Druck von Eschenleisten ihre charakteristische Kuppelform. Meine Gitarren haben immer vorgewölbte Decken. Das verleiht ihnen mehr Stabilität bei leichterer Bauweise. Die Deckenleisten werden nun durch Entfernung von Material an den richtigen Stellen abgestimmt. Die engl. Bezeichnung „scalopped bracing“ ist für diesen Arbeitsschritt geläufig. Bei fast allen Großserienherstellern werden die Leisten bereits vor dem Aufleimen „scallopped“, was eine spätere Abstimmung nur in engen Grenzen zulässt.

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Die Zargen werden befeuchtet, zwischen zwei dünne Edelstahlbleche gelegt und mit Hitze im FOXBENDER gebogen. Dann werden sie in die Form gespannt und die Überstände abgesägt. Aus Khaya –einer Mahagoniart- baue ich die Blöcke. Aus Halsblock, Endblock und dem Zargenpaar entsteht der Zargenkranz. Nun wird die spätere Zargenkontur auf Boden-und Deckenseite mit Hilfe der entsprechenden Wölbungsteller angeschliffen Das muss präzise geschehen, um später ein spannungsarmes Aufleimen von Boden und Decke zu gewährleisten. Mit dem Aufleimen der geschlitzten Reifchen und der Zargenverstärkungen ist der Bau des Zargenkranzes abgeschlossen und Die Gitarre erhält ihre Seriennummer und den Brandstempel auf der Fugnaht.

 

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Der Zargenkranz wird wieder in die Form gespannt, die Position der Leisten mit einem Skalpell markiert und die Aussparungen für die Aufnahme der Bodenleisten herausgearbeitet. Die gleichen Arbeitsschritte werden für die Decke gemacht. Boden und Decke werden nun aufgeleimt. Die sog. Schachtel ist fertig.

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Die Schablone für das Trapezförmige Endstück wird aufgeschraubt, die Ränder mit einer Feinsäge eingeschnitten und die Lücke für das Endstück mit einem Steckeisen ausgehoben. Nach dem Einleimen des Endstücks werden die Stufenfalze für die Randeinlage (Purflings) und die Ränder (Bindings) gefräst. Holzränder werden, wie die Zargen, im Foxbender gebogen (s.oben) Die Ränder werden angeleimt und dann versäubert.

 

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Auf das auf Dicke geschliffene Griffbrett ist von Andreas Rall die Mensur CNC genau eingeschnitten worden. Auf der Stoßlade werden die Kanten gehobelt. An einen Halsrohling werden die Bezugsebenen der Kopfplatte und des Griffbretts sowie eine dazu rechtwinklige Kante gehobelt. Mit der Oberfräse wird der Kanal für den Halsstab gefräst. Zu den Bezugsebenen werden parallele Flächen geschliffen und dann die Griffbrettkanten und die Kopfplattenform grob ausgesägt. Nachdem der Block für den Halsfuß aufgeleimt wurde, wird die entgültige Halsdicke mit etwas Übermaß gefräst.

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Mit einer selbstgebauten Vorrichtung zum Fräsen der Halsverbindung wird die Schwalbenschwanzverbindung (Dovetailjoint) in Korpus und Hals gefräst. Durch den Einsatz verschiedener Frässchablonen lassen sich auch andere Halsverbindungen, wie z.B. der gerade eingezapfte Hals (Tenonjoint) realisieren.

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Das Griffbrett ist mit zwei dünnen Drahtstiften, die durch Bundschlitze gebohrt wurden gegen Verrutschen fixiert und nun wird dem Hals mit Raspelt, Schleifpapier und verschiedenen Hobeln seine Rohform gegeben. Nach dem genauen Anpassen des Halses an den Korpus wird der Halsstab eingelegt und das Griffbrett aufgeleimt. Dann erhält der Hals seine entgültige Form.

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Bei jeder Gitarre gibt es minimalste Abweichungen beim Halswinkel, Unterschiede im Saitenabstand und besondere Kundenwünsche. Deswegen fertige ich für jede Gitarre eine genau passende Brücke an. Als Grundform für meine Standartbrücke greife ich gerne auf die Form von Martin&Co. zurück. Schlicht und zigtausendmal bewährt. Diese Form übertrage ich auf ein Stück Ebenholz. Mit der Bohr-Fräsmaschine bohre ich die Löcher für die Saiten und fräse den Schlitz für die Stegeinlage. Dann wird die Außenkontur vorgesägt und mit einer Schleifwalte geschliffen. Die entgültige Form erhält die Brücke erst vor dem Aufleimen.

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Aus zwei Furnierstücken wird die Kappe für den Halsfuß zusammengeleimt. Dieser wird bei trocken angesetztem Hals angepasst. Die Ausrichtung des Halses wird ein letztes Mal kontrolliert und ggfls. nachjustiert. Der gebeizte und vorgrundierte Hals wird nun eingeleimt. Nun kann das Griffbrett nochmals leicht abgerichtet werden und dann bundiert werden. Die Position der Brücke wird eingemessen und mit Zahnstochern, welche durch den Stegschlitz in die Decke ragen fixiert.

 

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Nach einem letzen Feinschliff wird die Decke abgeklebt und das Instrument mit einem PU-Absperrlack grundiert. Dieser verhindert bei sehr ölhaltigen Hölzern das sog. Nachfallen der Poren. Nach dem Auftragen der ersten drei Schichten des 1K Nitrolackes, werden die Ränder abgeklebt und auf die Decke wird ein getönter Lack aufgebracht. Nun wird das Instrument in mehreren sehr dünnen Schichten mit Zwischenschliff endlackiert. Der gesamte Lackiervorgang dauert wegen der langen Trocknungsphasen 4-6 Wochen. Danach erfolgt die Politur

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Die abgeklebte Leimfläche für die Brücke wird freigelegt. Die Brücke erhält nun ihre entgültige Höhe und wird feingeschliffen. Nun kann sie aufgeleimt werden, als Fixierung gegen Verrutschen dienen die erwähnten Zahnstocher. Nach der Montage der Mechaniken, der Anfertigung von Sattel und Brücke und dem Auziehen der Saiten ist die Gitarre fertig.

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Nach sechs Monaten zwischen Bauanfang und Fertigstellung verlässt das fertige Instrument meine Werkstatt.


Maße:

Korpusbreite 385  /  Korpushöhe 107mm  Korpuslänge 495mm  /  Mensur 632mm  /  Sattelbreite 46mm

Materialien:

Boden und Zargen alter ostindischer Palisander  /   Decke Alpenfichte  /  Hals afrikanisches Mahagoni

Griffbrett und Brücke Ebenholz  /  Steg und Sattel 1A Rinderknochen  /  Abaloneinlays  /  Schallermechaniken

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