Störgeräusche bei Saiteninstrumenten können sehr subtile Gründe haben.

Besonders bei Akustikgitarren / Mandolinen / Banjo etc. scheinen sie fast immer vom Korpus herzurühren. Ist ja auch logisch. Der Korpus ist ja der „Schallverstärker“ des Instruments und gibt die Geräusche fast immer lauter wieder, als sie am Entstehungsort sind.

Ganz oft habe ich Leute in der Werkstatt, die mit so einem Problem zu dem Musikalienhändler ihres Vertrauens gehen. Der Klopft als Erstes beherzt auf die Decke. Das ist für eine Gitarre, verglichen mit einer Saitenschwingung, ein ungeheurer Impuls, der das ganze Instrument „erzittern“ lässt. Das Störgeräusch ist zu hören, und es entsteht, offensichtlich (offenhörlich), im Korpus.

Dann kommt die Diagnose:“ Leiste gelöst, muss zum Instrumentenbauer, können wir einschicken, 60-100,-€.“

Schäden an der Struktur des Instruments sind aber bei solchen Störgeräuschen eher selten. Ich würde sagen max. 20-25 von Hundert.

Hier meine Hitliste der Kontrollen und Justierungen, die von jedem, der ein IKEA-Regal zusammenbauen kann durchgeführt werden können.

  1. Mechaniken. Sind die Flügel fest. Sind alle Befestigungsschrauben angezogen, besonders die Einsteckmutter mit Unterlegscheibe welche von oben in die Mechanik geschraubt ist. Die Unterlegscheibe veranstaltet, wenn losgelassen, einen schier unglaublichen Radau.
  2. Gurtknöpfe. Eingeschraubte Gurtknöpfe lösen sich gerne. Auf festen Sitz kontrollieren.
  3. Tonabnehmer. Die Ausgangsbuchse muss fest sein. Bei den sog. Gurtpinbuchsen ist die äußere Überwurfmutter ein häufiger Quälgeist. Besonders bei nicht eingestöpseltem Kabel. Batteriefächer in Vorverstärkern sind ebenfalls anfällig. Wenn eine Batterie drin ist, und es klappert, einfach mal die Batterie rausnehmen. Oder wenn keine drin ist eine montieren. Natürlich auch hier, alle Schraubverbindungen kontrollieren. Lose in der Gitarre herumliegende Kabel testweise mit Schaumstoffstücken sichern bzw. unterpolstern, dann ggfls. neu fixieren.
  4. Halsstab. Es kann sein, dass der Halsstab werkseitig nur ganz leicht angezogen ist. Durch die mit der Zeit stärker werdende Biegung des Halses und/oder die Schrumpfung des Holzes bei Trockenheit wird die Halsstabmutter dann lose und Bestandteile des Stabes (Mutter, U-Scheibe, der Stab selber) klappern. Der Halsstab ist entweder durch das Schallloch oder eine Abdeckung am Kopf zugänglich. Wenn der Stab lose ist, einfach LEICHT –handfest- anziehen. Die Einstellung des Halsstabes sollte nur von Personen gemacht werden, die wissen wie es geht.
  5. Die Messingbällchen am Saitenende sitzen nicht stramm an der Brückenplatte auf der Innenseite der Decke. Das kann man bei entspannten Saiten durch das Schallloch erfühlen. Ggfls. Saitenstecker ein wenig herausziehen, die Saite nachziehen, Stecker festdrücken.
  6. Bei Konzertgitarren sind die Überstände der Saiten nach einer Neubesaitung nicht abgeschnitten worden und liegen nun auf der Decke. Mein Werkstattrekord liegt bei 7cm tiefe E und hat einen schönen, sirrenden Sitarsound produziert.
  7. Aufgerollte Stahlsaitenüberstände bei Westerngitarren sehen ja vielleicht cool aus, aber produzieren mitunter Störgeräusche.

Wenn keiner der Fehler vorlag wird es dann doch Zeit sich fachmännischen Rat zu suchen.

Die Suche nach den oben beschriebenen Fehlern kann gut und gerne zwei Stunden dauern und verursacht dann Kosten von ca. 70,-€. Das Geld kann man sich oft sparen. Noch dazu wird der nette Instrumenten/Gitarrenbauer nicht in die Lage gebracht wegen derer ich diesen Leitfaden geschrieben habe.

Folgender Dialog. Es ging um eine Taylor mit Fishman-PU

„Die Gitarre ist fertig und kann abgeholt werden.“

„Was war denn?“

„Die Kontaktfedern im Batterefach sind ausgeleiert und deswegen hat die Batterie geklappert. Ich habe für´s Erste ein bisschen Schaumgummi eingeklebt. Eventuell muß der Batteriehalter erneuert oder umgebaut werden“

„Wieviel Geld muss ich denn mitbringen?“

„ 70,- Euro.“

„ WAAAAAAS? 70,-€ für eine bisschen Schaumstoff? Das zahl ich nicht!“

Schließlich, nach einer weiteren halben Stunde des Erklärens mit Keks und Kaffee hat er dann doch bereitwillig gezahlt. Der Pickup funktioniert heute noch ohne weitere Reparatur.

 

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